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Die Flut traf ihn doppelt — Ingo erzählt seine Geschichte!
Wir begrüßen Dich herzlich zu unserem Juli - Newsletter! - In der heutigen Ausgabe nehmen wir Dich noch einmal mit nach Altenburg - zu Ingo, dem Hausmeister der örtlichen Schulen!

Vom

Das Schicksal von Ingo

Dass Alten­burg uns sehr am Her­zen liegt, hast Du ja bereits in der letz­ten Aus­gabe erfah­ren dür­fen. Es ist ein­fach der Ort, in dem wir von Anfang an im Ein­satz waren und so vie­len betrof­fe­nen Haus­hal­ten hel­fen konn­ten. Des­halb ist es auch wenig ver­wun­der­lich, dass auch die heu­tige Geschichte aus die­sem Ort stammt — wir berich­ten von Ingo, der nicht nur pri­vat alles ver­lor, son­dern auch noch Haus­meis­ter der hie­si­gen Schu­len und somit gleich dop­pelt betrof­fen ist!

Ingo gehört zu Alten­burg, wie die Wein­berge ins Ahr­tal! Er ist hier auf­ge­wach­sen und zur Schule gegan­gen — in genau die Schu­len, in denen er seit 2008 selbst Haus­meis­ter ist. Nach­dem sein Vater 35 Jahre hier als Haus­meis­ter tätig war und den Job aus gesund­heit­li­chen Grün­den nicht mehr aus­füh­ren konnte, gewann Ingo als gelern­ter Hei­zungs­mon­teur die Aus­schrei­bung und konnte nun in die Fuß­stap­fen sei­nes Vaters tre­ten. Für ihn eine Beru­fung! Er ist Haus­meis­ter mit Leib und Seele und betreut die Ahr­tal­schule und die Grund­schule mit viel Herz­blut und Engagement.

Umso tra­gi­scher ist es, dass in der Flut­nacht nicht nur sein eige­nes Haus, son­dern auch die Schu­len über­schwemmt wur­den. Er lebt wenige Meter davon ent­fernt und musste mit an sehen, wie das Was­ser in sei­nem Haus und in den Schu­len schräg gegen­über stieg. Man kann sich vor­stel­len, dass Ingos Gedan­ken in den Stun­den der Flut hin und her­ge­ris­sen waren, denn sein Herz hängt an bei­den Gebäuden!

Ingos Haus ist — wie fast alle Häu­ser in Alten­burg — nach der Flut­nacht kaum wie­der zu erken­nen. Auf den Bil­dern kannst Du sehr gut den Was­ser­stand an der brau­nen Fas­sade sehen: Alle 3 Eta­gen wur­den zer­stört. Das Haus stand bis unters Dach kom­plett in den Flu­ten.

Ingo erlebt die Flut­nacht mit sei­nen Eltern unterm Dach, die seit der Pen­sio­nie­rung des Vaters die obere Etage des Hau­ses bewoh­nen. Am nächs­ten Tag gegen Mit­tag flie­hen die Drei auf den Berg, wo sie vom Schwa­ger abge­holt und zu Ingos Schwes­ter gebracht werden.

Das Haus ist voll mit Heizöl, Schlamm und allem, was die Flut mit sich brachte. Nichts ist mehr nutz­bar, die Kata­stro­phe ist in jedem Win­kel zu sehen.

Aber auch die Schu­len hat es hart getroffen:

Nach die­ser Nacht pas­siert in den öffent­li­chen Gebäu­den erst ein­mal 10 Tage gar nichts. Die Kata­stro­phe in den pri­va­ten Haus­hal­ten bannt alle Kräfte und auch von höhe­rer Stelle schaut kei­ner nach den Schu­len. Als dann end­lich eine große Gruppe von 150 frei­wil­li­gen Hel­fen­den vor der Tür steht, muss zuerst die Sta­tik des Gebäu­des geprüft wer­den, was zu erheb­li­chen Ver­zö­ge­run­gen führt.

Durch die Unter­stüt­zung unse­rer DZN Hilfs­or­ga­ni­sa­tion in sei­nem eige­nen Haus steht Ingo wäh­rend­des­sen in engem Kon­takt zu Thilo, der immer wie­der vor Ort ist. Eigent­lich hat­ten wir uns zur Auf­gabe gemacht, öffent­li­che Gebäude vor­erst nicht zu bear­bei­ten, da die Not in den pri­va­ten Haus­hal­ten am größ­ten war. Aber in die­sem Fall mach­ten wir dann doch eine Aus­nahme. Ingo sagt:

“Als Thilo erkannte, wie sehr ich men­tal mit den Schu­len ver­bun­den bin und wie sehr mich das mit nimmt, dass hier nichts voran geht, da hat er das dann doch gemacht.”

Die DZN Hilfs­or­ga­ni­sa­tion rückt mit einer grö­ße­ren Schü­ler­gruppe aus Köln an und ent­fernt Schlamm, Möbel und Schutt aus den Räu­men. Die Grund­schule fing zu dem Zeit­punkt bereits an zu schim­meln, die Wände und der Boden muss­ten drin­gend abge­stemmt wer­den.

Laut Ingo gab dies damals den Anstoß, dass die Arbei­ten in den Schul­ge­bäu­den end­lich began­nen, denn:
“Wäre die DZN Hilfs­or­ga­ni­sa­tion damals nicht gekom­men, wäre noch viel län­ger gar nichts pas­siert und der Scha­den wäre erheb­lich grö­ßer gewesen!”

Auf dem Foto siehst Du links im Bild die Schu­len nach der Flut, rechts unten steht Ingos Haus. Es ist noch immer nicht bewohn­bar und sollte laut Gut­ach­ten und eini­ger ande­rer fach­kun­di­ger Aus­sa­gen eigent­lich abge­ris­sen wer­den, da das Heizöl in alle Wände gekro­chen ist. Aber Ingo ist ver­si­chert und die Ver­si­che­rung stellt sich quer: Sie wol­len, dass saniert wird. Unfass­bar! Er war­tet nun seit fast einem Jahr auf Ent­schei­dun­gen, die her­aus gezö­gert und nicht getrof­fen wer­den.

Glück­li­cher­weise bekam er eines der gestell­ten Tiny Häu­ser, das unweit sei­nes Hau­ses und den Schu­len auf­ge­stellt wurde und in dem er nun auf län­gere Zeit leben darf. Für ihn ist das eine akzep­ta­ble Alter­na­tive, er braucht ja nicht viel. Da er wei­ter­hin als Haus­meis­ter in den Schu­len arbei­tet, hat er eine Auf­gabe und ein Ziel vor Augen, das ihn vom Auf­ge­ben abhält. Aber trotz­dem sagt er:

“Es gibt schon Tage, an denen ich mich frage, wofür ich das hier eigent­lich mache. Ohne Euch hät­ten wir alle schon lange in den Sack gehauen. An der Kopf­sa­che knab­bern wir noch lange…”

Und die Schu­len? Sagen wir mal so: Es läuft schlep­pend. Wie sollte es in Deutsch­land auch anders sein — alles muss genau geprüft wer­den, es müs­sen Aus­schrei­bun­gen erfol­gen, Kon­zepte aus­ge­ar­bei­tet wer­den.

Die Schüler:innen ler­nen seit­dem gemein­sam in Gels­dorf in einem Con­tai­ner, lei­der mit viel zu wenig Räu­men. Aber: Die Grund­schule bekommt nach den Som­mer­fe­rien in Gels­dorf end­lich ihre eigene Cotai­ner­schule!
Die Sport­halle wird abge­ris­sen, da die Sta­tik nicht mehr hält und anschlie­ßend neu auf­ge­baut. Die Mensa ist in Pla­nung.
Alles in allem kann frü­hes­tens im kom­men­den Som­mer 2023 mit den Arbei­ten begon­nen wer­den, soviel scheint klar. Wie gesagt: Es läuft schleppend …

Was Ingo sich für Zukunft wünscht?
“Hoch­was­ser­schutz! Und dass man die Neben­flüsse in den Griff bekommt und mehr Rück­hal­te­be­cken baut.“

Am meis­ten aber wünscht er sich, dass die erfor­der­li­chen Ent­schei­dun­gen für sein Haus nun end­lich getrof­fen wer­den und es wei­ter gehen kann. Er hofft, dass seine Eltern den Wie­der­auf­bau sehen und in 2–3 Jah­ren wie­der bei ihm ein­zie­hen kön­nen. Dafür drü­cken wir ihm alle Dau­men!

Lie­ber Ingo, wir dan­ken Dir für das Tei­len Dei­ner Geschichte und Bil­der und wün­schen Dir, dass Du Dein Zuhause bald wie­der auf­bauen kannst. ❤️

Wir wün­schen Dir nun einen schö­nen Sonn­tag und sen­den liebe Grüße ❤️ vom DZNH-Team!

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